Der Wunsch und Wille des Philosophen ist es, die Wirklichkeit zu erklären. Er will dies mit Hilfe seines Verstandes tun und so ehrlich, intensiv und genau – wie möglich. Wenn man sich nun die Geschichte der Philosophie und das Leben berühmter Philosophen wie Platon, Kant und Hegel ansieht, so zeigt sich, dass fast alle Philosophen ihre Denkarbeit als Wissenschaft verstanden haben.

Aber als eine Wissenschaft von was? Die Körperwelt wird doch bereits von der Physik, die Welt des Lebens durch die Biologie, die des Fühlens und Wahrnehmen durch die Psychologie und die Gesellschaft durch die Soziologie erforscht. Was bleibt da für die Philosophie als Wissenschaft übrig? Was ist ihr Gebiet?

Die Antwort mag seltsam klingen, aber das Gebiet der Philosophie ist alles. Sie ist eine Universalwissenschaft! Sie befasst sich mit denselben Gegenständen und Problemen wie die anderen Wissenschaften – nur: Was in den anderen Wissenschaften als selbstverständlich vorausgesetzt wird, das will die Philosophie genau wissen! Ihre Fragen fangen erst dort an, wo die anderen aufhören zu fragen!

Die anderen Wissenschaften erkennen – die Philosophie fragt, was Erkennen ist. Juristen machen Gesetze – die Philosophie fragt, was ein Gesetz ist. Und so weiter!

Erkenntnistheorie

Aus dem Streben nach Erkenntnis erwächst den Philosophen zunächst die Aufgabe zu prüfen, ob die Organe unserer Erkenntnis – nämlich die fünf Sinne und unser Verstand – uns überhaupt eine richtige Vorstellung von dem vermitteln können, was in uns, außerhalb von uns und in der Welt um uns herum vorgeht. Unter dem Namen Erkenntnistheorie möchte die Philosophie wissen, was die Quellen, der Umfang und wo die Grenzen der menschlichen Erkenntnis sind.

Wissenschaftstheorie

Um etwas über Wesen und Zusammenhang aller Dinge zu erfahren, muss sich die Philosophie zunächst um die Ergebnisse der Wissenschaften bemühen. Dann aber fragt sie, wie diese Ergebnisse zustande gekommen sind und für welche Bereiche des Lebens sie gültig sein können. Dies zu tun ist die Aufgabe der Wissenschaftstheorie.

Ethik

Die Frage nach dem richtigen und guten Leben versucht die Ethik zu beantworten. Sie sucht dabei nach Grundsätzen und Regeln, nach denen sich alle Menschen richten können, wenn sie vor der Frage stehen: Was soll ich tun? Wie soll ich mich meinen Mitmenschen gegenüber verhalten?

Logik

Die Fähigkeit, richtig und logisch zu denken, untersucht, wie der Name schon verrät, die Logik. Ausgehend von Urteilen aller Art, sucht sie nach allgemeinen Denkgesetzen, gegen die niemand verstoßen darf, wenn er sich nicht in Widersprüche verwickeln will.

Ästhetik

Die Ästhetik, als die die Sinne betreffende Wissenschaft, beschäftigt sich mit den Gesetzen und Wirkungsmöglichkeiten des Schönen in Kunst und Natur.

Metaphysik

Mit besonders abstrakten und schwierigen Problemen beschäftigt sich die sogenannte Metaphysik. Sie fragt seit alters her nach der Möglichkeit von Gott, Freiheit und Unsterblichkeit – drei Themen, die den Menschen schon immer unter den Nägeln gebrannt haben.

und…

Die Themen der Naturphilosophie sind das Leben, die Zeit, der Raum und das Gesetz von Ursache und Folge; die Staats- und Rechtsphilosophie fragt nach Gesetzen und der Möglichkeit menschlichen Zusammenlebens in einer Gemeinschaft; die Geschichtsphilosophie danach, ob sich die Geschichte der Menschheit nur immer wiederholt oder sich stetig entwickelt und Fortschritte gezeigt hat; und schließlich die Sprachphilosophie nach Sinn und Funktion von Sprache für das menschliche Miteinander.

Allen diesen Fragestellungen der Philosophie aber ist gemeinsam, dass sie nichts als wahr und richtig hinnehmen wollen, was man auch nur irgendwie bezweifeln kann.
Und: dass sie alle Wörter und Begriffe, mit denen sie ihre Probleme, Fragen und Antworten stellen und darstellen, genau erklären.

Der deutsche Philosoph Immanuel Kant hat alle Fragen der Philosophie in folgenden vier Grundfragen zusammengefasst:

Was kann ich wissen?
Was soll ich tun?
Was darf ich hoffen?
Was ist der Mensch?

Er tat dies nicht ohne Grund! Denn diese vier Fragen sind es, die uns immer wieder als philosophierende oder nachdenkende Menschen interessieren. Aus diesem Grunde sagen auch viele Philosophen, dass die Philosophie letztlich nichts anderes als die Wissenschaft vom Menschen und von seinen Problemen ist. Eigentlich logisch, denn wer sonst als der Mensch stellt Fragen nach der Wahrheit, nach der wirklichen Gestalt von Welt und Natur und nach dem Sinn und Ziel des menschlichen Lebens auf diesem Planeten Erde?

nach: Michael Witschier, Alle Kreter lügen... sprach der Kreter. Kleine Einführung in die Philosophie, Düsseldorf 1980

In der gymnasialen Oberstufe wird das Fach Philosophie als Grundkurs des Aufgabenfeldes 2 unterrichtet. Es kann drittes und viertes Abiturfach sein. Wer nicht an einem Religionsunterricht teilnimmt, muss das Fach Philosophie wählen.

Über das Fach Philosophie – Schülerzitate

  • Ich denke über Sachen nach, die ich früher gar nicht ernst genommen habe.
  • interessante neue Blickwinkel auf alltagsnahe Themen
  • spannende Diskussionen über Themen des Alltags – aber auch trockene Textarbeit
  • Nach meiner Erfahrung ist Philosophie ein Unterrichtsfach, das sehr interessant und abwechslungsreich sein kann.
  • ... hat immer Spaß gemacht...
  • heiße, lebendige Diskussionen gehören zum Philosophieunterricht ...
  • interessanter und produktiver Unterricht, jedoch kommt man oft zu keinem richtigen Ergebnis!
  • Ich habe die Erfahrung gemacht, im Philosophieunterricht abstrakte, aber auf den Alltag anwendbare Themen auf hohem Niveau bearbeitet und diskutiert zu haben. Die Auseinandersetzung mit verschiedenen Meinungen und die Aufstellung schlüssiger Argumentationen haben bisher eine große Rolle … gespielt.
  • nach einer Unterrichtsreihe anders über ein Thema zu denken, weil man die Meinungen anderer mitbekommt und vielleicht nachvollzieht
  • Das erste Halbjahr war super, und ich konnte Philosophie zu meinen Lieblingsfächern zählen.