„Die Fähigkeit uns zu wundern, ist das Einzige, was wir brauchen, um gute Philosophen zu werden!",

sagt Alberto in „Sofies Welt" von Jostein Gaarder. Während Erwachsene sich an die Welt gewöhnt haben, können sich Kinder und junge Heranwachsende immer wieder wundern, staunen, neue Erfahrungen machen und diese hinterfragen. So ist auch Philosophie die Kunst des Fragens. Auch wenn das altgriechische Wort „philosophia" übersetzt „die Liebe zur Weisheit" bedeutet, ist das Ziel des Faches nicht das Finden von Antworten, sondern der Spaß am Denken, Nachdenken und Überdenken sowie das Fragen selbst.

Die Schülerinnen und Schüler sollen durch unterschiedliche Unterrichtsinhalte dazu motiviert werden, Erfahrungen, Situationen und Menschen nicht nur nach ihrem ersten Eindruck zu beurteilen, sondern sich intensiver mit diesen auseinanderzusetzen und ein eigenes kritisches Bewusstsein zu entwickeln. Gerade aus diesem Grund eignet sich das Fach Praktische Philosophie besonders gut in der Erprobungsstufe sowie auch in der Mittelstufe, in denen die Schülerinnen und Schüler wichtige Entwicklungsstadien durchlaufen und im Hinblick auf ihre Persönlichkeitsbildung mit unterschiedlichen Sinnfragen konfrontiert werden.

Hierfür soll das Fach Praktische Philosophie den jungen Menschen die Möglichkeit geben, ihren Horizont zu erweitern und problemlösende Denkansätze zu erhalten.

Die Unterrichtsinhalte beziehen sich dabei auf unterschiedliche aktuelle Themen aus ihrer Lebenswelt, was den praktischen Aspekt des Faches in der Sekundarstufe I ausmacht. Warum denke ich über die Welt nach? Was bedeutet Glück für mich? Was heißt es eigentlich, ein guter Mensch zu sein? Kann es mich ein zweites Mal geben? Warum soll ich mich an Regeln halten? Was heißt Reichtum? Ist man mit viel Geld schon reich? Sollte man auf den Verstand oder auf die Herzensstimme hören?... Woher kommt eigentlich das schlechte Gewissen?

Das Ceciliengymnasium arbeitet im Fach Praktische Philosophie mit einem Spiralcurriculum, welches sieben Fragenkreise beinhaltet:

  1. Die Frage nach dem Selbst
  2. Die Frage nach dem Anderen
  3. Die Frage nach dem guten Handeln
  4. Die Frage nach Recht, Staat und Wirtschaft
  5. Die Frage nach Natur, Kultur und Technik
  6. Die Frage nach Wahrheit, Wirklichkeit und Medien
  7. Die Frage nach Ursprung, Zukunft und Sinn

Um diese dreht sich zunächst der Unterricht der Erprobungsstufe (fünfte und sechste Jahrgangsstufe). Darauf aufbauend vertiefen die Schülerinnen und Schüler der Mittelstufe dieselben Bereiche auf einer höheren Ebene. Innerhalb der Fragenkreise werden in den verschiedenen Jahrgangsstufen unterschiedlich anspruchsvolle und thematisch andersartige Fragen behandelt. Während beispielsweise im Fragenkreis 5 die Schülerinnen und Schüler in der Erprobungsstufe sich mit dem verantwortungsvollen Umgang mit Tieren auseinandersetzen, können sie in der Mittelstufe die ethische Vereinbarkeit von Ökologie und Ökonomie in der modernen Gesellschaft kritisch beurteilen.

Bezugspunkt für die Ausrichtung des Faches ist die Werteordnung, wie sie in der Verfassung des Landes Nordrhein-Westfalen, im Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland und in den Menschenrechten verankert ist. Für die Schülerinnen und Schüler, die nicht am Religionsunterricht teilnehmen, hat das Land Nordrhein-Westfalen das Fach Praktische Philosophie eingerichtet. Am Ceciliengymnasium wird das Fach Praktische Philosophie von der Jahrgangsstufe 5 bis zur Jahrgangsstufe 9 unterrichtet.

Das Fach Praktische Philosophie trägt zum übergeordneten Bildungsauftrag des Gymnasiums bei, der die persönliche, soziale und politische Bildung der Schülerinnen und Schüler umfasst. Es fördert darüber hinaus die Entwicklung der Gesamtpersönlichkeit, motiviert zu sozialer Verantwortung, zur Gestaltung einer demokratischen Gesellschaft, zur Orientierung an Grundwerten, zu kultureller Mitgestaltung sowie zu verantwortlicher Tätigkeit in der Berufs- und Arbeitswelt. Gerade die heterogene Zusammensetzung der Lerngruppe, welche aus Schülerinnen und Schülern unterschiedlicher Kulturkreise besteht, ermöglicht das Verständnis und die kritische Auseinandersetzung mit weltanschaulichen, religiösen und ideengeschichtlichen Positionen und ist Grundlage für interkulturelle und interreligiöse Toleranz. So wird die Vielfalt zum Vorteil.